Rezensionen
> Gunnel Mauritzson Band: "Det som sker..."
Mit der Musik der Gunnel Mauritzson Band taucht man ein in eine Zwischenwelt – zwischen uralt und modern, Kindheit und Erwachsensein, Sehnsucht und Glück, Sommer und Winter, Folk und Jazz. Die von der schwedischen Insel Gotland stammende Sängerin Gunnel Mauritzson und ihre Band lassen diese Elemente so virtuos und mühelos ineinanderschmelzen, dass man sich ihrem Zauber nicht entziehen kann.
Die Instrumentierung ist mit Saxophon, Schlagzeug/Percussion, Piano und Kontrabass einzerseits jazzig, andererseits sorgen Orgel, Akkordion, Clavinet, spanische Gitarre und Schlüsselfiedel, ein traditionelles Instrument ähnlich der Geige, für folkige Klänge. Diese Verbindung setzt sich in den Arrangements fort, wo die Improvisationsfreude des Jazz zusammen mit Harmonik und Melodieführung der Volkslieder, und der eigenen Musikalität der schwedischen Sprache, eine magische Kraft entwickelt. Und über allem steht, schwebt, fließt und tanzt Gunnel Mauritzsons wunderschöne helle, klare Stimme.
Auf „Det som sker…“- zu deutsch „Das, was geschieht…“ finden sich eigene Kompositionen mit Texten der modernen schwedischen Dichterinnen Ingrid Sjöstrand, Marie Lundquist und Ylva Eggehorn neben traditionellen Folksongs. Sie erzählen von wundersamen Seeanemonen, die sich anstelle von Fischen in den Netzen des Fischers verfangen haben; von der Sehnsucht nach dem Liebsten, der weit fort ist; von der Beziehung zwischen zwei Schwestern; einem Liebesbrief, der vom Wind davongetragen wird. Es ist ein sehr poetisches Album, bei dem die Musik die Stimmungen der Texte nicht nur untermalt, sondern entstehen lässt. So beginnt „Sjöanemoner“ (Seeanemonen) mit einem einzelnen Ton gleich einem Schiffshorn, und bei der folgenden, sich mystisch aufbauenden Musik kann man die kühle Luft der Morgendämmerung auf dem stillen Meer wirklich spüren. Orgel und Akkordion vermitteln die Einsamkeit und Sehnsucht in „Om dagen vid mitt arbeite“ so eindringlich, dass es einem das Herz bricht, und die „Brevpolska“ (Briefpolka), ein Instrumental nach dem Song „Kärleksbrevet“ (Liebesbrief), lässt den Brief vor dem inneren Auge im Wind tanzen. (Übrigens gehört sowohl bei den instrumentalen Stücken als auch in den ausgedehnten improvisierten Passagen der Lieder Gunnel Mauritzsons Stimme zu den Instrumenten.) Zum Abschluss werden wir mit „Vyss, vyss, lilla barn“ (Still, still, kleines Kind) noch voller Liebe in den Schlaf gesungen, auch wenn wir keine kleinen Kinder mehr sind.
Mit „Det som sker…“ ist der Gunnel Mauritzson Band ein musikalisches Kleinod mit großer Tiefe gelungen. Und eine meiner Lieblingsplatten.
Mehr zu Gunnel Mauritzson und der Band: www.myspace.com/gunnelmauritzsonband und www.gunnel.nu
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