Rezensionen
> DRY MENTION im Waschhaus
„Drei Menschen im Waschhaus“
von Kasimiruslav Kash
Eines fragte ich mich schon nach den ersten zwei, drei Songs: Ob den Jungs von „Dry Mention“ überhaupt
bewusst ist, was sie da für ein Mordsvieh unter dem Hintern haben?
Das funkt, das punkt, das groovt wie die ewige Verdammnis! Diese Band muss den energetischen
Vergleich mit einem gut geschmierten Pratt & Whitney-Triebwerk nicht scheuen.
Dabei kann man die Mittel, die die 3 Musiker einsetzen, nicht anders als spartanisch bezeichnen. Keine
Power-Chords, keine Effekte! Dafür eine enorme Rhythmus-Sektion: Jo am Bass und Floh an den Drums sind
die hervorragenden Treiber dieser Jagd nach den unprätentiösen einfachen Formeln und Geheimnissen des
Rock‘n‘Roll. Art und Funktion des Gitarrenspiels von Tom erinnern hingegen an Billy Bragg oder Bob Dylan – affektloses Telecaster-Schräg-Akkord-Spiel mit viel funkigem, höhenlastigem Feeling.
Eine Sache ist jedoch unverzeihlich: Die deutschen Texte des Sängers und Songschreibers Tom waren am
gestrigen Abend im Potsdamer Waschhaus so gut wie nicht zu verstehen. Dabei sind sie – wunderbare,
schroffe Poesie – ein zentrales Element des künstlerischen Schaffens dieser vielversprechenden Band. Woran
das auch immer gelegen haben mag: am schlecht ausgepegelten Gesangssound (durchaus mal einen EQ
spendieren…) oder der relativ nachlässigen Artikulation von Tom (evtl. mal mit der einen oder anderen
Brecht-Interpretation beschäftigen oder gar ganz intensiv Rio Reiser hören…) – das muss verbessert
werden! Als „Crowd“ viel zu sehr damit beschäftigt, die gesungenen Worte zu erfassen war man dabei oft
abgelenkt vom faszinierenden musikalischen Flow dieser Band.
Optisch waren „Dry Mention“ am gestrigen Abend kein Leckerbissen. Vielleicht wollen sie das auch nicht
sein, vielleicht ist dies Teil des auf das Wesentliche reduzierten Gesamtkonzepts. Vielleicht lag es aber auch
an Raum und Atmosphäre des Clubsaals im 2. Stock in Potsdam. Es ist dem Energie-Rückfluss vom Publikum
auf die Bühne eventuell abträglich, wenn die Jazz- und Akkustik-gestählte Hörerschaft in roten Samtsofas
der Dinge harren, die da kommen.
Will sagen, die Interaktion der Musiker untereinander – das „Rocken“ im Sinne des Übermittelns vom Spaßam-
Musikmachen fand visuell nicht statt. Das wird sicherlich anders sein wenn „Dry Mention“ in einer
Lokation spielen, dessen Atmo dem klaren „geradeaussen“ Ansinnen der Band entspricht.
Demnächt in der Konzerthalle in Ihrer Umgebung!
Mehr Infos zur Band unter http://www.myspace.com/drymention oder
www.drymention.de
Konzerte
Derzeit sind keine Konzerte geplant.
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